Softwareentwicklung

Was ist Vibe Coding? Bedeutung, Beispiele und wo es endet

Stell dir folgende Szene vor: Montagmorgen, Teambesprechung. Dein Vertriebsleiter zeigt auf dem Laptop eine kleine Web-App. Kunde auswählen, Maße und Material eingeben, unten erscheint ein Richtpreis. Gebaut am Wochenende, ohne eine einzige Zeile Code selbst zu schreiben. Die Frage im Raum ist sofort da: Können wir das so benutzen?

Was er da gemacht hat, hat seit Anfang 2025 einen Namen: Vibe Coding. Du beschreibst einer KI in normaler Sprache, was du haben willst, schaust dir an, was sie baut, und sagst ihr, was anders sein soll. Den Code dahinter liest du nicht. Der Begriff hat eine steile Karriere hinter sich: Der britische Wörterbuchverlag Collins hat ihn zum Wort des Jahres 2025 gewählt.

Dieser Beitrag klärt, was Vibe Coding bedeutet und woher der Begriff kommt, wie es abläuft, welche Werkzeuge es gibt, wofür es im Mittelstand taugt und wo es aufhört, eine gute Idee zu sein. Vorweg meine Haltung, damit du weißt, woran du bist: Ich halte Vibe Coding für ein sehr gutes Werkzeug für Prototypen und für eine schlechte Grundlage für Software, auf die sich ein Betrieb verlassen muss.

Vibe Coding: die Bedeutung in zwei Sätzen

Vibe Coding ist eine Arbeitsweise, bei der Software entsteht, indem du einer KI beschreibst, was sie bauen soll, das Ergebnis ausprobierst und so lange nachkorrigierst, bis es sich richtig anfühlt. Den Code, den die KI dabei schreibt, liest, prüft und versteht niemand.

Der zweite Satz ist der entscheidende. Dass eine KI Code schreibt, ist inzwischen Alltag, auch in professionellen Entwicklungsteams. Vibe Coding wird es erst dann, wenn niemand mehr hinschaut, was da eigentlich geschrieben wurde. Der Entwickler Simon Willison hat das früh auf den Punkt gebracht: Wer den Code der KI geprüft, getestet und so weit verstanden hat, dass er ihn anderen erklären kann, betreibt kein Vibe Coding. Er nutzt die KI als Werkzeug beim Programmieren.

Einen eingeführten deutschen Begriff gibt es nicht. Am nächsten kommt „Programmieren nach Gefühl": Du steuerst nach dem, was du auf dem Bildschirm siehst, nicht nach dem, was im Code steht. Auch im Deutschen spricht man deshalb meist einfach von Vibe Coding.

Woher der Begriff kommt

Geprägt hat ihn Andrej Karpathy, Gründungsmitglied von OpenAI und früher KI-Chef bei Tesla, Anfang Februar 2025 in einem Beitrag auf X. Sinngemäß schrieb er: Es gebe eine neue Art zu programmieren, die er Vibe Coding nenne. Man überlasse sich ganz dem Gefühl, lasse sich auf das rasante Tempo der Modelle ein und vergesse, dass es den Code überhaupt gibt.

Spannender als die Definition ist, wie er seine eigene Arbeitsweise beschrieb, denn sie ist bis heute das Muster:

  • Er spricht per Spracheingabe mit seinem Code-Editor und fasst die Tastatur kaum noch an.
  • Er bittet um Kleinigkeiten wie „halbier den Abstand an der Seitenleiste", weil ihm das Suchen der Stelle zu mühsam ist.
  • Er klickt immer auf „alles übernehmen" und liest die Änderungen nicht mehr.
  • Fehlermeldungen kopiert er kommentarlos zurück in den Chat, meistens ist der Fehler danach weg.
  • Kann die KI einen Fehler nicht beheben, umgeht er ihn oder lässt so lange zufällige Änderungen machen, bis er verschwindet.

Er schrieb auch dazu, dass der Code dabei über sein eigenes Verständnis hinauswächst und dass diese Arbeitsweise für Wegwerf-Projekte am Wochenende gar nicht so schlecht sei. Genau diese Einschränkung ist beim Weitererzählen meistens verloren gegangen.

Ein Jahr später, am 4. Februar 2026, hat Karpathy selbst nachgelegt. Damals, schrieb er, habe man Vibe Coding vor allem für spaßige Wegwerf-Projekte, Demos und Experimente genutzt. Inzwischen werde das Programmieren über KI-Agenten für Profis zum Normalfall, allerdings mit mehr Aufsicht und Prüfung und ohne Abstriche an der Qualität der Software. Für diese Arbeitsweise schlägt er einen eigenen Namen vor: „agentic engineering". Der Erfinder des Begriffs zieht also dieselbe Grenze, um die es in diesem Beitrag geht.

So läuft Vibe Coding praktisch ab

Ein Beispiel aus dem Betriebsalltag: Du willst einen einfachen Urlaubsplaner für dein Team, weil die Excel-Liste ständig in drei Versionen herumgeistert. Beim Vibe Coding sieht das so aus:

  1. Beschreiben. „Bau mir eine Web-App, in der meine zwölf Mitarbeitenden ihren Urlaub eintragen. Ein Kalender pro Monat, jede Person in einer eigenen Farbe, und eine Warnung, wenn mehr als drei gleichzeitig fehlen."
  2. Anschauen. Nach wenigen Minuten steht eine erste Version in der Vorschau. Du klickst dich durch, trägst Testurlaube ein und schaust, ob es sich richtig anfühlt.
  3. Korrigieren, in normaler Sprache. „Die Wochenenden sollen grau sein." „Trag die Feiertage in Baden-Württemberg automatisch ein." „Der Speichern-Knopf ist auf dem Handy zu klein." Jede Anweisung führt zu einer neuen Version.
  4. Fehler zurückgeben. Taucht eine Fehlermeldung auf, kopierst du sie in den Chat. Meistens ist sie danach weg.
  5. Wiederholen, bis das Ergebnis passt. Den Code öffnest du dabei kein einziges Mal.

Das Erlebnis ist beeindruckend, das darf man ruhig so sagen. Für jemanden, der nie programmiert hat, wird eine eigene Idee zum ersten Mal ohne Umweg über einen Entwickler zu etwas Anklickbarem.

Die Tücke steckt in dem, was du nicht siehst. Die Vorschau zeigt dir die Oberfläche. Ob der Urlaubsplaner die Einträge zuverlässig speichert, wer sie lesen kann, was bei zwei gleichzeitigen Änderungen passiert und ob er in drei Monaten noch läuft, siehst du beim Durchklicken nicht. Genau diese Fragen stellt beim Vibe Coding niemand, weil niemand in den Code schaut.

Welche Werkzeuge es gibt

Für Vibe Coding gibt es inzwischen eine ganze Reihe von Werkzeugen. Sie lassen sich in drei Gruppen sortieren, und die Gruppe sagt mehr über die Eignung als der Name:

  • App-Baukästen im Browser. Du tippst deine Beschreibung in ein Chatfenster auf der Webseite des Anbieters, daneben erscheint die Vorschau, und mit einem Klick ist die App online. Datenbank und Anmeldung bringen die Anbieter gleich mit. Bekannte Vertreter sind Lovable, Bolt und Replit. Das ist der Einstieg mit der niedrigsten Hürde.
  • KI im Code-Editor. Ein Programm für Entwickler, in dem eine KI mitschreibt und auf Zuruf ganze Funktionen baut. Bekanntestes Beispiel ist Cursor. Hier siehst du den Code zumindest, auch wenn du ihn nicht lesen musst.
  • Agenten im Terminal oder in der Desktop-App. Die KI arbeitet direkt auf deinem Rechner in einem Ordner, legt Dateien an, führt Programme aus und baut so ganze Anwendungen. Beispiele sind Claude Code von Anthropic und Codex von OpenAI. Wie so ein Agent arbeitet, habe ich in Claude Code: Der autonome Agent für deine Softwareentwicklung beschrieben, den Einstieg zeigt der KI-Fahrplan nach ChatGPT.

Einen ausführlichen Vergleich dieser Werkzeuge mit Preisen und Grenzen gibt es in einem eigenen Beitrag, der in Kürze hier im Blog erscheint. Für den Moment reicht eine Erkenntnis: Vibe Coding ist keine Eigenschaft des Werkzeugs, sondern der Arbeitsweise. Mit Claude Code kann man hemmungslos nach Gefühl bauen oder sehr diszipliniert Software entwickeln. Der Unterschied liegt darin, ob jemand den Code liest, prüft und verantwortet.

Wofür Vibe Coding im Mittelstand taugt

Richtig eingesetzt ist Vibe Coding gerade für Betriebe ohne eigene Entwicklungsabteilung ein echter Gewinn. Vier Einsätze halte ich für sinnvoll.

Klickdummy statt Lastenheft

Wer eine Software braucht, schreibt meist ein Dokument: Was soll sie können, wie soll sie aussehen, wer arbeitet damit. Solche Dokumente liest jeder ein bisschen anders, und die Missverständnisse fallen erst auf, wenn schon gebaut wurde. Ein Klickdummy, also eine Oberfläche zum Durchklicken ohne echte Technik dahinter, beendet viele dieser Diskussionen. Mit Vibe Coding baust du ihn an einem Nachmittag selbst.

Eine Idee testen, bevor Geld fließt

Ein Online-Rechner für Kunden, ein Bestellformular für Stammkunden, eine Landingpage für ein neues Angebot: Statt lange zu diskutieren, ob das jemand nutzt, baust du eine einfache Version und zeigst sie ein paar Kunden. Deren Reaktion ist mehr wert als jede Schätzung im Besprechungsraum. Echte Bestellungen oder Kundendaten laufen darüber noch nicht, es geht nur ums Zeigen.

Das interne Wegwerf-Werkzeug

Manche Aufgaben kommen einmal oder selten vor: zwei Artikellisten abgleichen, eine Preisliste in ein neues Format bringen, eine Auswertung aus einer Exportdatei für die Jahresplanung. Dafür per Vibe Coding ein kleines Werkzeug zu bauen, ist oft schneller als die Arbeit von Hand. Die Bedingung: Es darf danach weggeworfen werden, niemand verlässt sich dauerhaft darauf, und es bleibt auf deinem Rechner. Und bevor du etwas baust, lohnt die Frage, ob es das nicht längst zu kaufen gibt, siehe Selbst bauen oder kaufen?

Der Prototyp als Gesprächsgrundlage mit Entwicklern

Das ist aus meiner Sicht der wertvollste Einsatz. Wenn du mit einem selbst gebauten Prototyp zum Entwickler gehst, zeigst du, was du meinst, statt es zu beschreiben. Die Anforderungen werden klarer, die ersten Gesprächsrunden kürzer, und du hast beim Bauen selbst gemerkt, welche Fragen du dir noch nicht gestellt hattest. Welche Punkte trotzdem aufs Papier gehören, steht in Anforderungen für ein KI-Projekt aufschreiben. Soll dein Werkzeug einen Ablauf abbilden, lohnt es sich, diesen vorher aufzuzeichnen: Prozessdiagramm erstellen.

In meiner eigenen Softwareentwicklung steht aus demselben Grund vor der Umsetzung ein klickbarer Prototyp, an dem Kunden früh sehen und korrigieren können, bevor Aufwand entsteht. Bringt jemand einen selbst gebauten Prototyp mit, ist das ein guter Start: Wir sparen uns die Runden, in denen man aneinander vorbeiredet.

Wo Vibe Coding endet

Die Grenze verläuft nicht zwischen guten und schlechten Werkzeugen, sondern an der Frage, was von der Software abhängt. Sechs Signale zeigen dir, dass du sie überschritten hast.

1. Echte Kundendaten kommen hinein. Sobald Namen, Adressen, Konditionen oder Aufträge echter Kunden in der App liegen, zählt nicht mehr nur, ob sie funktioniert, sondern wo diese Daten landen und wer sie sehen kann. Bei einem Baukasten im Browser liegen sie auf den Servern des Anbieters. Die praktische Regel lautet: Kundendaten gehören nur in Werkzeuge, die in deiner Firma dafür freigegeben sind, in Prototypen gehören Testdaten.

2. Andere verlassen sich darauf. Solange nur du das Werkzeug nutzt, ist ein Ausfall dein Problem. Wenn das Team morgens seine Touren darüber plant oder Kunden darüber bestellen, ist es Produktivsoftware, egal wie sie entstanden ist. Dann braucht es jemanden, der zuständig ist, wenn sie am Montag um sieben nicht startet.

3. Es geht um Sicherheit. Anmeldung, Berechtigungen, Zugangsschlüssel zu anderen Diensten: Das sind die Stellen, an denen eine KI plausibel aussehenden Code schreibt, der trotzdem offen steht. Der Sicherheitsanbieter Veracode testet regelmäßig Code aus inzwischen über 150 Sprachmodellen. Sein Befund vom März 2026: Ohne ausdrückliche Sicherheitsvorgaben enthält fast die Hälfte des erzeugten Codes bekannte Sicherheitslücken. Beim Vibe Coding macht diese Vorgaben meistens niemand.

4. Die App muss gewartet werden. Software ist nie fertig. Die fremden Bausteine, aus denen jede App besteht, bekommen laufend Updates, oft wegen Sicherheitslücken, und neue Wünsche kommen dazu. Bei einer Vibe-Coding-App heißt jede Änderung: wieder der KI beschreiben und hoffen, dass sie beim Umbauen nichts anderes kaputt macht. Ohne Versionskontrolle kommst du nicht einmal sauber zum letzten funktionierenden Stand zurück, mehr dazu in Git erklärt.

5. Fehler kommen zurück. Karpathy hat es selbst beschrieben: Kann die KI einen Fehler nicht beheben, lässt man sie herumprobieren, bis er verschwindet. Verschwunden heißt aber nicht behoben. Wer die Ursache nicht kennt, trifft denselben Fehler ein paar Änderungen später an anderer Stelle wieder, und jede Reparatur macht den Code unübersichtlicher.

6. Niemand versteht den Code. Dieses Signal verschärft alle anderen. Solange die Person, die die App gebaut hat, im Haus ist und die KI mitspielt, geht es irgendwie. Fällt eins von beidem weg, läuft im Betrieb eine Anwendung, die niemand erklären, prüfen oder übernehmen kann. Jeder Entwickler, den du dann holst, muss sich erst durch Code arbeiten, den nie ein Mensch gelesen hat.

Als Faustregel für den Alltag:

FrageVibe Coding reichtHier braucht es mehr
Wer nutzt es?Du allein oder ein paar Kollegen zum AusprobierenDas ganze Team im Alltag oder deine Kunden
Welche Daten?Testdaten, Artikel- oder PreislistenKundendaten, Personaldaten, Zahlungen
Wie lange?Tage oder Wochen, danach kommt es wegMonate oder Jahre
Was passiert bei einem Ausfall?Ärgerlich, aber ohne FolgenAufträge bleiben liegen, Kunden merken es
Anbindung an andere Systeme?KeineERP, CRM, Buchhaltung, Zahlungsanbieter

Steht in einer Zeile etwas aus der rechten Spalte, ist der Prototyp fertig und die eigentliche Arbeit beginnt. Umsonst war er deshalb nicht. Es heißt nur, dass ab hier jemand den Code verantworten muss.

Meine Haltung: guter Prototyp, schlechtes Fundament

Ich sage es offen: Ich mag den Begriff nicht, und für Produktivsoftware halte ich die Arbeitsweise für falsch. Der Name klingt nach Leichtigkeit und legt nahe, dass es in Ordnung ist, nicht zu wissen, was man da betreibt. Bei einem Spiel fürs Wochenende stimmt das. Bei einem Kundenportal, über das Aufträge laufen, nicht.

Gleichzeitig halte ich wenig davon, Vibe Coding kleinzureden. Wer sich hinsetzt und seine Idee selbst zum Laufen bringt, macht etwas Vernünftiges. Er versteht sein Problem danach besser als vorher und kann viel genauer sagen, was er braucht. Für Prototypen, Tests und Wegwerf-Werkzeuge hat Vibe Coding die Hürde so weit gesenkt wie nie zuvor.

Das eigentliche Risiko sehe ich deshalb nicht bei den Leuten, die so bauen, sondern im Übergang. Ein Prototyp funktioniert, Kollegen nutzen ihn, er bekommt echte Daten und ist irgendwann Produktivsoftware, ohne dass das je jemand entschieden hat. Wenn Mitarbeitende eigene Werkzeuge an der IT vorbei bauen, ist das übrigens eine Spielart von Schatten-KI. Verbieten hilft da selten, klare Regeln helfen mehr: Welche Daten dürfen in welches Werkzeug, und ab wann schaut jemand drauf. Was in so eine Regelung gehört, steht in KI-Richtlinie fürs Unternehmen erstellen. Wenn du diese Leitplanken nicht allein aufsetzen willst, sind sie ein fester Baustein meiner KI-Beratung.

Dieselbe Technik, andere Arbeitsweise: KI-gestützte Softwareentwicklung

Die gute Nachricht: Wer an die Grenze kommt, muss die KI nicht wegwerfen. Profis nutzen dieselben Werkzeuge, nur anders. Karpathy nennt es agentic engineering, ich nenne es KI-gestützte Softwareentwicklung. Der Unterschied liegt nicht im Werkzeug, sondern in ein paar Gewohnheiten:

  • Erst aufschreiben, dann bauen. Was muss die Software können, was bewusst nicht, wer arbeitet damit, welche Daten fließen wohin.
  • Kleine Schritte. Die KI baut ein Stück, jemand prüft es, dann kommt das nächste. Nicht die ganze App in einem Rutsch.
  • Code wird gelesen. Jede Änderung sieht sich ein Mensch an, der versteht, was sie tut, und der dafür geradesteht.
  • Tests und Versionskontrolle. Automatische Tests zeigen, ob eine Änderung etwas anderes kaputt macht, und jeder Stand lässt sich zurückholen.
  • Sicherheit und Betrieb von Anfang an. Zugriffsregeln, Sicherungen, Updates und eine Person, die zuständig ist.

So entsteht Software deutlich schneller als früher, ohne dass jemand hoffen muss, dass es schon gut geht. Genau so arbeite ich in meiner KI-gestützten Softwareentwicklung: in kleinen, testbaren Etappen mit regelmäßig nutzbaren Ständen, und am Ende bekommst du den Code dokumentiert übergeben. Ob sich eine eigene Lösung überhaupt lohnt, klärst du am besten vorher, dabei hilft Eigene Software entwickeln: Wann sich der Eigenbau lohnt.

Häufige Fragen

Was bedeutet Vibe Coding auf Deutsch?

Wörtlich etwa „Programmieren nach Gefühl" oder „nach Stimmung". Gemeint ist, dass du Software per Sprache bei einer KI in Auftrag gibst, das Ergebnis ausprobierst und nachsteuerst, ohne den Code zu lesen. Einen eingeführten deutschen Begriff gibt es nicht, deshalb spricht man auch hierzulande von Vibe Coding.

Kann ich mit Vibe Coding eine App bauen, ohne programmieren zu können?

Ja, für einfache Web-Apps und Prototypen klappt das erstaunlich gut. Du brauchst vor allem die Fähigkeit, genau zu beschreiben, was du willst, und Geduld beim Nachsteuern. Schwierig wird es, sobald deine Vibe-Coding-App echte Daten verarbeitet, von mehreren Leuten genutzt wird oder an andere Systeme angebunden werden soll. Dann brauchst du jemanden, der den Code versteht.

Welche Tools brauche ich für Vibe Coding?

Für den Einstieg reicht ein App-Baukasten im Browser wie Lovable, Bolt oder Replit, dort musst du nichts installieren. Wer auf dem eigenen Rechner arbeiten will, nimmt einen Agenten wie Claude Code oder Codex, wer mit Code-Editoren vertraut ist, Cursor. Die meisten dieser Werkzeuge haben einen kostenlosen Einstieg, die gängigen Einzeltarife liegen bei rund 20 bis 25 Dollar oder Euro im Monat (Stand: September 2026).

Ersetzt Vibe Coding Softwareentwickler?

Nein, aber es verändert ihre Arbeit. Vibe Coding ersetzt den Entwickler beim ersten Entwurf, nicht bei der Verantwortung für Software im Betrieb. Profis nutzen dieselben KI-Werkzeuge, prüfen und steuern aber, was dabei entsteht. Für Betriebe heißt das: Kleine Dinge baust du öfter selbst, und die Zusammenarbeit mit Entwicklern beginnt mit einem Prototyp statt mit einem Dokument.

Fazit

Vibe Coding heißt: beschreiben statt programmieren, anschauen statt lesen, korrigieren statt verstehen. Der Begriff stammt von Andrej Karpathy, der ihn selbst für Wegwerf-Projekte am Wochenende gedacht hatte und für professionelle Arbeit mit KI-Agenten inzwischen einen anderen Namen vorschlägt.

Für den Mittelstand ist Vibe Coding ein starkes Werkzeug, solange es bei Klickdummys, Ideentests, Wegwerf-Werkzeugen und Prototypen bleibt. Sobald echte Kundendaten hineinkommen, andere sich darauf verlassen oder niemand mehr versteht, was da läuft, ist die Grenze erreicht. Ab dann brauchst du dieselbe Technik mit einer anderen Arbeitsweise.

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Dennis Drzosga

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