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ChatGPT Dots: Was OpenAIs neue Agenten im Betrieb können

ChatGPT Dots: Was OpenAIs neue Agenten im Betrieb können

OpenAI hat am 29. September 2026 auf seiner Entwicklerkonferenz DevDay die sogenannten Dots vorgestellt. Ein Dot ist ein Agent in ChatGPT, der nicht auf deine nächste Frage wartet, sondern an einer Aufgabe dranbleibt. Er hat einen eigenen Computer mit Browser in der Cloud, arbeitet weiter, wenn du das Fenster schließt, und meldet sich, wenn er eine Entscheidung von dir braucht. Erreichbar ist er in ChatGPT, in Slack und in Microsoft Teams.

Für einen Betrieb heißt das: KI wird vom Werkzeug, das man bedient, zu etwas, dem man Zuständigkeiten überträgt. Das spart Zeit bei Aufgaben, die sich über Tage ziehen, etwa Nachfassen, Beobachten oder ein Angebot aktuell halten. Es verlangt aber vorher klare Regeln, was der Agent allein darf. Und es gibt eine Einschränkung: Im Einzeltarif Pro sind Dots in Deutschland vorerst nicht verfügbar, für Business Premium und Enterprise führt OpenAI sie weltweit ein.

Was ist ein Dot in ChatGPT?

OpenAI beschreibt einen Dot als Agenten, der ständig im Einsatz ist und Arbeit über deine Werkzeuge und Projekte hinweg voranbringt. Was ein KI-Agent grundsätzlich ist, erklärt mein Beitrag über KI-Agenten. Das Besondere an Dots sind vier Dinge:

  • Ein eigener Rechner in der Cloud. Jeder Dot hat einen eigenen Computer mit Browser, Dateien und Software. Deshalb arbeitet er weiter, wenn dein Laptop aus ist. Du kannst diesen Rechner jederzeit ansehen und bei Bedarf selbst übernehmen.
  • Zuständigkeiten statt Einzelfragen. Du beschreibst das Ergebnis, die Quellen und welche Entscheidungen bei dir bleiben. Der Dot verfolgt mehrere Aufgaben gleichzeitig, entscheidet selbst, wann er pausiert und weitermacht, und kann Teilaufgaben an Hintergrund-Agenten, ChatGPT Work oder Codex abgeben.
  • Verbundene Apps. Über Plugins greift er auf Dienste wie Gmail, Google Drive oder GitHub zu, jeweils nur mit den Rechten, die du dort erteilt hast. Nach Angaben von OpenAI stehen mehr als 4.000 Apps zur Wahl. Auf Wunsch verbindest du zusätzlich deinen eigenen Computer.
  • Ein eigenes Gedächtnis. Der Dot startet mit dem, was ChatGPT bereits über dich weiß, und führt eigene Notizen zu Vorlieben, Entscheidungen und laufender Arbeit.

Was er getan hat, siehst du in der Desktop-App unter „Activity“: jede Aufgabe mit Fortschritt, Dateien und Ergebnis. Als Modell steckt GPT-6 Astra dahinter, mehr dazu in GPT-6 Astra: Was das für den Mittelstand bedeutet.

Wo laufen Dots, und wer bekommt sie?

Anlegen kannst du einen Dot in der ChatGPT-App auf dem Smartphone, in der Desktop-App oder im Browser am Rechner. Danach erreichst du ihn per Nachricht oder Anruf in ChatGPT, per Direktnachricht oder Erwähnung in Slack und in Microsoft Teams. In Slack reagiert er standardmäßig nur auf dich. In Enterprise-Arbeitsbereichen ist Teams laut der Anleitung für Administratoren derzeit nur als Alpha auf Einladung freigeschaltet.

TarifVerfügbarkeit von Dots
Pro 100, Pro 200, Pro 500Für Nutzer ab 18 Jahren, aber nicht im Europäischen Wirtschaftsraum, in Großbritannien und der Schweiz. In Deutschland also vorerst nicht.
Business PremiumWird weltweit eingeführt.
EnterpriseWird weltweit eingeführt, als Beta. Standardmäßig ausgeschaltet, ein Administrator muss Dots freigeben.

OpenAI führt Dots schrittweise ein. Zu den Kosten: Laut OpenAI ist der erste Dot in Pro und Business Premium ohne Aufpreis enthalten. Weitere Dots und mehr Kapazität sollen später folgen, Preise dafür gibt es noch nicht. Gespräche mit dem Dot zählen nicht gegen die Nutzungsgrenzen von ChatGPT, Aufgaben, die er in ChatGPT Work oder Codex anstößt, dagegen schon. Ein Premium-Platz in ChatGPT Business kostete laut CIO im August 125 Dollar je Nutzer und Monat oder 100 Dollar bei jährlicher Zahlung. Wie du Lizenzen im Team sinnvoll verteilst, steht in ChatGPT Business oder Claude Team?

Was darf ein Dot allein, und was bleibt bei dir?

Bevor ein Dot etwas tut, das deine Konten betrifft oder Informationen weitergibt, prüft eine automatische Kontrolle die Aktion gegen deine Anweisungen, Berechtigungen, eigenen Regeln und die Sicherheitsvorgaben von OpenAI. Danach läuft die Aktion, braucht deine Freigabe, oder du erledigst den Schritt selbst.

Eigene Regeln legst du in den Einstellungen unter „Personalization“ fest. Eine Regel beschreibt eine bestimmte Aktion und gibt ihr eines von vier Verhalten: ohne Rückfrage ausführen, nur auf deine ausdrückliche Anweisung ausführen, vorher um Freigabe bitten oder an dich übergeben. Drei Punkte aus der Dokumentation solltest du kennen:

  • Entwerfen ist nicht Senden. Bittest du den Dot, Antworten zu entwerfen, darf er sie deshalb noch nicht verschicken.
  • Erkunden nur lesend. Ohne Auftrag sucht der Dot in den Daten, die er lesen darf, nach sinnvollen nächsten Schritten. OpenAI nennt das proaktive Recherche. Die Werkzeuge dafür können laut OpenAI keine Nachrichten senden, nichts in deinen Apps ändern und weder Browser noch Computer steuern.
  • Manches bleibt immer bei dir. Ein Passwort ändern musst du selbst, und ein gespeichertes Login darf der Dot nur nach deiner Bestätigung verwenden. Keine eigene Regel hebt das auf.

OpenAI schreibt selbst, dass der Dot Regeln zu befolgen versucht und dabei Fehler machen kann. Außerdem macht Pausieren oder Stoppen nichts rückgängig, was schon erledigt ist. Wie du Befugnisse für einen Agenten grundsätzlich festlegst, beschreibt Befugnisse: Was ein KI-Mitarbeiter darf und was nicht.

Wofür sich ein Dot im Mittelstand eignet

OpenAI nennt selbst Beispiele wie ein Vertriebsangebot aktuell zu halten, während sich die Anforderungen ändern, oder Kundenfeedback zu einer Software zu beobachten und Fehlerbehebungen vorzubereiten. Übertragen auf einen mittelständischen Betrieb sind das vier naheliegende Felder:

  • Kundenfeedback beobachten. Der Dot liest einen Slack-Kanal oder ein Postfach mit Reklamationen und meldet dir einmal am Tag, was sich häuft. Dafür sagst du ihm, was er beobachten soll und wann er sich meldet.
  • Angebote vorbereiten. Er sammelt aus Mails, Notizen und Preislisten, was in ein Angebot gehört, schreibt einen Entwurf und hält ihn aktuell, wenn der Kunde nachschärft. Raus geht es erst nach deiner Freigabe. Siehe auch Angebote aus Gesprächsnotizen.
  • Recherche. Ausschreibungen, Wettbewerber, neue Lieferanten: Mit seinem eigenen Browser kann der Dot solche Themen über Wochen verfolgen, statt einmal zu suchen.
  • Nachfassen. Offene Angebote, unbeantwortete Anfragen, zugesagte Rückrufe. Der Dot prüft zu festen Zeiten, was offen ist, und legt dir Entwürfe vor.

Wo ein Dot nicht passt

  • Feste Abläufe mit klaren Regeln. Wenn jede Rechnung gleich behandelt wird, ist eine klassische Automatisierung günstiger und berechenbarer. Siehe Deterministische vs. KI-Automatisierung.
  • Aufgaben für das ganze Team. Ein Dot gehört einer Person. In Slack starten Nachrichten anderer keine Arbeit. Für ein gemeinsames Postfach oder eine Abteilung ist das die falsche Form.
  • Arbeit, bei der „erledigt“ nicht reicht. Laut OpenAI bestätigt ein abgeschlossener Lauf nicht, dass das gewünschte Ergebnis wirklich erreicht wurde. Jemand muss nachsehen.
  • Websites, die Cloud-Browser aussperren. Manche Seiten blockieren den Browser des Dots. Der Umweg über deinen eigenen Rechner klappt nur, solange der eingeschaltet ist und die ChatGPT-App geöffnet hat.

Für Aufgaben auf Abteilungsebene zeigt OpenAI eine Vorschau auf Spezialisten-Dots mit eigener Identität und eigenen Zugangsdaten für genau eine Aufgabe, nach eigenen Angaben intern getestet im Einkauf und in der Rechnungsbearbeitung. Mit Microsoft arbeitet OpenAI daran, solche Agenten über Agent 365 verwalten zu lassen. Bis das im Mittelstand ankommt, bleiben Abläufe für mehrere Leute ein Fall für eine eigene KI-Automatisierung.

Dots und Claude: Was ist der Unterschied?

In Claude Cowork, das Anthropic gerade schrittweise in die normale Claude-Oberfläche überführt, lässt du Aufgaben in festem Takt oder auf Abruf laufen. Laut Anthropic laufen diese geplanten Aufgaben auf Anthropics Servern weiter, auch wenn dein Rechner schläft, solange sie keine lokalen Dateien brauchen. Das gibt es in allen bezahlten Tarifen. Ein Dot ist dagegen ein dauerhafter Ansprechpartner mit eigenem Rechner, der selbst entscheidet, wann er weitermacht. Was besser passt, hängt an deinen Abläufen, siehe ChatGPT oder Claude?

Fünf Regeln, bevor ein Agent handeln darf

  1. Nur die nötigen Rechte. Verbinde nur die Apps, die der Dot wirklich braucht, und beschränke dort die Rechte, etwa Mails lesen, aber nicht senden. Das lässt sich laut OpenAI je Plugin einstellen.
  2. Erst lesen lassen, dann handeln lassen. Starte zwei Wochen nur mit Lesezugriff und Entwürfen. Erst wenn die Entwürfe stimmen, gibst du einzelne Aktionen frei, zunächst mit „vorher um Freigabe bitten“. So funktioniert auch die Probezeit für einen KI-Mitarbeiter.
  3. Mit fremden Inhalten rechnen. Ein Agent, der Mails, Websites und Dokumente liest, kann dort auf versteckte Anweisungen stoßen, die ihn zu etwas verleiten sollen. Das nennt man Prompt Injection, und es betrifft jeden Agenten. Je mehr er allein darf, desto größer der mögliche Schaden.
  4. Einen Prüfer benennen. Leg fest, wer die Ergebnisse ansieht und wie oft, etwa jeden Morgen zehn Minuten in der Aktivitätsansicht.
  5. Ans Aufräumen denken. Laut OpenAI kann ein Dot Erinnerungen anlegen, auch mit Informationen aus verbundenen Apps. Trennst du eine App, bleibt bereits Gelerntes erhalten. Und einen Dot zu löschen macht Änderungen in verbundenen Apps nicht rückgängig.

Häufige Fragen

Was sind ChatGPT Dots?

Dauerhaft laufende Agenten in ChatGPT, vorgestellt am 29. September 2026. Jeder Dot hat einen eigenen Cloud-Computer mit Browser und arbeitet an übertragenen Aufgaben weiter, auch wenn du nicht im Gespräch bist.

Kann ich Dots in Deutschland nutzen?

Im Einzeltarif Pro vorerst nicht, denn der Europäische Wirtschaftsraum, Großbritannien und die Schweiz sind dort ausgenommen. Für Business Premium und Enterprise führt OpenAI Dots weltweit ein, bei Enterprise muss ein Administrator sie freischalten.

Was kosten Dots?

Laut OpenAI ist der erste Dot in Pro und Business Premium ohne Aufpreis enthalten, weitere sollen später zu noch nicht genannten Preisen folgen. Gespräche mit dem Dot zählen nicht gegen die Nutzungsgrenzen, Aufgaben in ChatGPT Work oder Codex schon.

Kann ein Dot ohne meine Zustimmung Mails verschicken?

Nur wenn du es ihm erlaubst. Eine automatische Kontrolle prüft jede Aktion, die deine Konten betrifft, und eigene Regeln legen fest, ob er handelt, fragt oder an dich übergibt. Antworten zu entwerfen heißt nicht, sie senden zu dürfen.

Welches Modell steckt hinter Dots?

Laut OpenAI GPT-6 Astra. Modellvorgaben, die Administratoren in Enterprise-Arbeitsbereichen festlegen, gelten für Dots laut der Anleitung für Administratoren nicht.

Fazit

Mit Dots wird aus ChatGPT etwas, dem du Zuständigkeiten überträgst, statt ihm Fragen zu stellen. Interessant ist das für Aufgaben, die sich über Tage ziehen. In Deutschland kommst du derzeit nur über Business Premium oder Enterprise daran. Fang klein an: eine Aufgabe, nur Lesezugriff, ein fester Prüfer.

Wenn du herausfinden willst, welche Aufgaben in deinem Betrieb zu einem Agenten passen und welche besser fest automatisiert werden, ist das Thema meiner KI-Automatisierung. Einen ersten Überblick über die Hebel in deinem Betrieb gibt der KI-Potenzial-Check.

Quellen: Funktionen, Kanäle, Verfügbarkeit, Nutzungsgrenzen und Kontrollen nach der Dokumentation von OpenAI: Überblick, Erste Schritte, Kanäle, Aufgaben und Gedächtnis, Computer und Apps, Kontrollen, Anleitung für Administratoren. Mehr als 4.000 Apps, erster Dot ohne Aufpreis, spätere Zusatz-Dots und Spezialisten-Dots nach SiliconANGLE über die Ankündigung von OpenAI, erster Dot ohne Aufpreis auch nach BGR. Datum, Beispiel Kundenfeedback und Microsoft Agent 365 nach TechCrunch. Preis des Premium-Platzes nach CIO (Stand August 2026). Angaben zu Claude nach Anthropic. Stand: Oktober 2026.

Über den Autor

Dennis Drzosga

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