KI-Wissen

Wenn das Modell abgeschaltet wird

Wenn das Modell abgeschaltet wird

Es gibt einen Satz, der in diesem Feld regelmäßig fällt und den niemand einplant: Dieses Modell wird zum 30. eingestellt, bitte migrieren Sie auf den Nachfolger.

Wer einen Ablauf gebaut hat, der gut läuft, hat dann drei Wochen Zeit für etwas, das er nicht vorhatte. Und wer Pech hat, verhält sich der Nachfolger bei genau den Fällen anders, auf die es ankommt.

Das ist keine hypothetische Sorge. Modellgenerationen wechseln in diesem Feld schneller als in jeder anderen Software, die du im Betrieb hast.

Vier Arten von Abhängigkeit

Sie werden gern in einen Topf geworfen, sind aber unterschiedlich schlimm.

1. Vom Modell. Ein bestimmtes Modell wird abgekündigt oder verändert sein Verhalten. Betrifft dich immer, ist aber die harmloseste, wenn du dich darauf einstellst.

2. Vom Anbieter. Preiserhöhung, Änderung der Bedingungen, Wegfall eines Tarifs. Ärgerlich, meistens planbar, weil es angekündigt wird.

3. Von der Plattform. Dein Ablauf ist in einem Werkzeug zusammengeklickt, das ihn nicht exportieren kann. Das ist die unangenehmste, weil die Arbeit selbst nicht mitkommt.

4. Von deinen Daten. Die schlimmste und die am wenigsten beachtete. Wenn eure Dokumente aufbereitet in einem fremden System liegen und du sie nicht in brauchbarer Form herausbekommst, ist ein Wechsel kein Wechsel, sondern ein Neuanfang.

Was tatsächlich hilft

Die Arbeit liegt bei dir, nicht im Werkzeug. Der eigentliche Wert einer Automatisierung steckt nicht im Modell, sondern in der Beschreibung des Ablaufs, in den Prüflisten, in den Beispielen und in eurem aufbereiteten Wissen. Wenn das in Textdateien bei euch liegt, ist ein Modellwechsel eine Konfigurationsänderung. Wenn es in Eingabefeldern einer Plattform steckt, ist er ein Projekt.

Das ist einer der Gründe, warum ich für Agent Skills als Textdateien plädiere. Nicht aus Prinzip, sondern weil eine Textdatei jeden Anbieterwechsel überlebt.

Ein Austauschpunkt statt eines Modellnamens. Der Zugriff auf das Modell gehört an eine Stelle im Ablauf, nicht an zwanzig. Dann ist ein Wechsel eine Zeile. Das ist Standard beim Bauen, muss aber jemand bewusst so machen, sonst wird der Modellname überall hingeschrieben.

Deine Prüffälle aufbewahren. Zwanzig echte Vorgänge mit dem Ergebnis, das richtig wäre. Damit prüfst du bei jedem Wechsel in einer Stunde, ob der Nachfolger dasselbe tut. Ohne diese Sammlung ist jeder Wechsel ein Blindflug, und genau daran hängt der Aufwand.

Diese zwanzig Fälle sammelst du beim Bauen ohnehin, siehe Prozess richtig automatisieren. Der Punkt ist, sie danach nicht wegzuwerfen.

Regeln bleiben Regeln. Alles, was als feste Regel gebaut ist statt als Modellaufgabe, ist von Modellwechseln nicht betroffen. Ein weiterer Grund, die Grenze bewusst zu ziehen, siehe deterministische gegen KI-Automatisierung.

Was übertrieben ist

Damit die Verhältnisse stimmen, denn Unabhängigkeit lässt sich auch überkaufen.

Alles selbst betreiben, nur um unabhängig zu sein. Ein eigenes Modell im Haus löst die Abhängigkeit vom Anbieter und schafft eine neue: von der Person, die es betreibt. Für die meisten Betriebe ist das der schlechtere Tausch, außer die Daten verlangen es, siehe Ab wann lokale KI Sinn macht.

Zwei Anbieter parallel betreiben. Klingt vernünftig, verdoppelt aber den Pflegeaufwand für einen Fall, der selten eintritt und dann ohnehin ein paar Wochen Vorlauf hat.

Auf den perfekten Anbieter warten. Der teuerste Fehler, weil in der Wartezeit nichts passiert. Die Wechselkosten sind beherrschbar, wenn man sie einplant. Das Nichtstun kostet mehr.

Die Frage im Vertrag

Vor der Unterschrift lohnt eine, deren Antwort viel verrät: Was bekomme ich mit, wenn ich kündige?

Konkret: Kommen eure Dokumente in ursprünglicher Form zurück? Lässt sich der Ablauf exportieren, sodass ein anderer ihn nachbauen kann? Wie lange habt ihr nach der Kündigung noch Zugriff?

Wer darauf ausweicht, verkauft nicht nur eine Lösung, sondern eine Bindung. Das ist eine der Fragen aus Woran du einen brauchbaren KI-Dienstleister erkennst, und sie ist die, bei der die Antworten am unterschiedlichsten ausfallen.

Fazit

Modelle werden abgekündigt, Anbieter ändern Preise, und beides ist normal. Entscheidend ist nicht, das zu vermeiden, sondern dass der Wechsel klein bleibt.

Klein bleibt er, wenn die eigentliche Arbeit bei dir liegt, der Modellzugriff an einer einzigen Stelle sitzt und du zwanzig Prüffälle aufbewahrst, mit denen ein Nachfolger in einer Stunde geprüft ist.

Wenn du prüfen willst, wie austauschbar euer Aufbau gerade ist, sprich mit mir in einer KI-Beratung, oder rechne vorab den KI-Potenzial-Check durch.

Über den Autor

Dennis Drzosga

KI-Systeme, Automatisierung und Prozessoptimierung für den Mittelstand in Aalen, dem Ostalbkreis und ganz Ostwürttemberg. Mehr über mich →

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