Es gibt einen Punkt, an dem das Arbeiten mit KI kippt. Vorher formulierst du jedes Mal neu, was du willst. Nachher hat das Werkzeug gelernt, wie ihr arbeitet, und springt von selbst an.
Dazwischen liegt ein Format, das Claude Code und Codex gemeinsam nutzen: Agent Skills. Es ist erstaunlich schlicht, und wer es einmal verstanden hat, hört auf, Prompts zu sammeln.
Ein Skill ist ein Ordner
Kein Abo, kein Werkzeug, keine Programmierung. Ein Skill ist ein Ordner mit einer Datei darin, die SKILL.md heißt. Optional kommen zwei Unterordner dazu.
| Teil | Was drinsteht | Wann geladen |
|---|---|---|
SKILL.md | Wann der Skill anspringt und wie er arbeitet | Die Beschreibung immer, der Rest bei Bedarf |
references/ | Fachwissen: Checklisten, Rechtsgrundlagen, Formate | nur wenn gebraucht |
assets/ | Vorlagen zum Ausfüllen | nur wenn gebraucht |
Der Unterschied zu einer Prompt-Sammlung liegt in der ersten Spalte der letzten Zeile: Du rufst einen Skill nicht auf, er meldet sich. Das Werkzeug liest beim Start nur die Kurzbeschreibungen aller Skills und lädt den vollständigen Inhalt erst, wenn deine Aufgabe dazu passt.
Das ist auch der Grund, warum viele Skills nebeneinander funktionieren, ohne sich gegenseitig zu stören. Ein volles Kontextfenster macht Ergebnisse schlechter, wie im Beitrag zu Prompt Engineering und Context Engineering beschrieben. Skills umgehen das, indem sie das meiste liegen lassen, bis es gebraucht wird.
Der Aufbau einer SKILL.md
Oben steht ein kleiner Kopf mit Name und Beschreibung, darunter normaler Text.
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name: angebot-erstellen
description: Erstellt aus Gesprächsnotizen ein versandfertiges Angebot.
UNBEDINGT nutzen, sobald der Nutzer ein Angebot, eine Offerte oder
einen Kostenvoranschlag erstellen oder aus einem Gespräch ableiten will.
Triggert auch bei "mach mir daraus ein Angebot" oder "was schicke ich
dem Kunden nach dem Call".
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# Angebot erstellen
## Ablauf
1. Fundament lesen: Positionierung, Angebot, Preislogik.
2. Aus den Notizen Leistung, Menge und Termin ziehen.
3. Fehlt eine Angabe, höchstens drei Rückfragen stellen.
Alles Weitere als [ANNAHME] markieren.
4. Angebot nach references/angebots-struktur.md aufbauen.
5. Am Ende prüfen: Sind alle Pflichtangaben da?
## Grenzen
- Keine Preise erfinden. Steht ein Posten nicht in der Preisliste,
wird er als offen markiert.
- Nichts versenden. Ergebnis ist ein Entwurf.
Die Beschreibung ist der wichtigste Teil des ganzen Skills, und fast alle unterschätzen sie. Sie entscheidet, ob er überhaupt anspringt. Schreib nicht, was der Skill tut, sondern wann er gebraucht wird, und nimm die Formulierungen auf, die du selbst benutzen würdest. Ein Skill, der nie auslöst, ist ein Skill, den es nicht gibt.
Die vier Teile, an denen sich die Qualität entscheidet
1. Der Auslöser. Siehe oben. Lieber zu viele Formulierungen als zu wenige.
2. Der Ablauf in nummerierten Schritten. Kein Fließtext, sondern eine Reihenfolge. Genau wie in einer Arbeitsanweisung, siehe Was ein SOP ist. Wer ein SOP hat, hat den Skill fast schon geschrieben.
3. Das Fertig-Kriterium. Woran erkennt das Werkzeug, dass es fertig ist? Ohne diesen Satz hört es irgendwo auf, und du prüfst jedes Mal nach.
4. Die Grenzen. Was darf nie passieren? Nichts erfinden, nichts versenden, keine Rechtsberatung. Diese Zeilen sind der Unterschied zwischen einem Werkzeug, dem du vertraust, und einem, das du kontrollierst.
So baust du deinen ersten in zwanzig Minuten
Nimm dir eine Aufgabe, die du diese Woche mindestens dreimal gemacht hast. Nicht die interessanteste, die häufigste.
- Ordner anlegen unter
~/.claude/skills/<name>/oder~/.codex/skills/<name>/. Wer es nur in einem Projekt braucht, legt ihn dort unter.claude/skills/ab. SKILL.mdanlegen, Kopf ausfüllen, Ablauf in fünf bis acht Schritten aufschreiben.- Sitzung neu starten, damit der Skill gefunden wird.
- Die Aufgabe ganz normal formulieren, ohne den Skill zu erwähnen. Springt er an, stimmt die Beschreibung. Springt er nicht an, ergänze Formulierungen.
- Nach drei echten Durchläufen nachschärfen. Jede Stelle, an der du nachbessern musstest, ist eine fehlende Zeile im Ablauf.
Der letzte Punkt ist der eigentliche Trick. Ein Skill entsteht nicht am Schreibtisch, sondern beim Benutzen. Die ersten drei Durchläufe sind die Bauphase.
Die häufigsten Fehler
Zu allgemein. Ein Skill namens „Texte schreiben" springt entweder immer oder nie an und liefert beides Mal nichts Brauchbares. Ein Skill ist eine Aufgabe, nicht ein Bereich.
Zu lang. Wer eine dreiseitige SKILL.md schreibt, kippt alles in den Kontext, was der Skill vermeiden sollte. Kurze Datei, Details in references/.
Wissen fehlt. Ein Skill, der eure Preislogik nicht kennt, erfindet sie. Was er wissen muss, gehört in eine Referenzdatei, nicht in seine Vorstellungskraft.
Keine Grenzen. Ohne einen Abschnitt dazu, was nie passieren darf, versendet ein hilfsbereites Werkzeug irgendwann etwas.
Warum sich das mehr lohnt, als es klingt
Ein Prompt hilft dir einmal. Ein Skill hilft jedem im Team, jedes Mal, ohne dass jemand ihn kennen muss. Und weil es eine Textdatei ist, kannst du ihn weitergeben, versionieren und verbessern wie jedes andere Arbeitsmittel.
Das ist der eigentliche Schritt: weg von der Fähigkeit einzelner Personen, hin zu etwas, das im Betrieb liegt. Genau deshalb baue ich fertige Sammlungen davon, die deutschen Geschäftskontext schon mitbringen, in den Skill-Packs. Wer lieber selbst anfängt, braucht dafür nichts weiter als einen Ordner und zwanzig Minuten.
Fazit
Ein Agent Skill ist ein Ordner mit einer Markdown-Datei. Der Wert steckt in vier Dingen: einer Beschreibung, die zuverlässig auslöst, einem nummerierten Ablauf, einem Fertig-Kriterium und klaren Grenzen.
Fang mit der häufigsten Aufgabe deiner Woche an, nicht mit der spannendsten, und schärf ihn nach drei echten Durchläufen nach. Danach hörst du auf, Prompts zu sammeln.
Wenn du wissen willst, welche eurer Abläufe sich dafür zuerst lohnen, rechne den KI-Potenzial-Check durch oder sprich mit mir in einer KI-Beratung.
