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KI in der Buchhaltung: Rechnungseingang, Belege und Mahnwesen automatisieren

KI in der Buchhaltung: Rechnungseingang, Belege und Mahnwesen automatisieren

In kaum einer Abteilung wird so viel abgetippt, abgeglichen und nachgefragt wie in der Buchhaltung. Belege kommen per Mail, per Post, als Foto vom Außendienst. Jede Rechnung wird geprüft, kontiert, freigegeben, bezahlt und später mit dem Kontoauszug abgeglichen. Und wenn ein Kunde nicht zahlt, schreibt jemand die dritte Mahnung von Hand.

Genau diese Mischung aus Wiederholung und Text ist das Gebiet, auf dem KI heute zuverlässig hilft. Allerdings mit einer Besonderheit, die es in anderen Abteilungen so nicht gibt: In der Buchhaltung muss jeder Schritt nachvollziehbar sein. Dieser Beitrag zeigt, wo KI in der Buchhaltung eines mittelständischen Betriebs hilft, wo sie nichts zu suchen hat und wie du anfängst.

Erst prüfen, was schon da ist

Bevor du irgendetwas dazukaufst: Viele Buchhaltungsprogramme, auch DATEV und die gängigen Cloud-Lösungen, bringen inzwischen eine eigene Belegerkennung und Buchungsvorschläge mit. Die sind oft nicht eingeschaltet oder werden nicht genutzt, weil niemand sie eingerichtet hat. Der billigste erste Schritt ist ein Termin mit dem Menschen, der euer Programm betreut, und die Frage, was davon bei euch schon geht.

Dazu kommt die E-Rechnung. In den nächsten Jahren wird der Anteil strukturierter Rechnungen stark steigen. Eine echte E-Rechnung enthält ihre Daten maschinenlesbar, da muss nichts mehr erkannt werden. Für diesen Teil braucht es keine KI, sondern eine saubere Regel. Warum Regeln hier besser sind als ein Modell, erklärt Deterministische vs. KI-Automatisierung.

KI wird dort interessant, wo die Regel aufhört: bei PDFs und Scans ohne feste Struktur, bei der Frage, auf welches Konto etwas gehört, und bei allem, was mit Sprache zu tun hat.

Sechs Aufgaben, bei denen KI in der Buchhaltung hilft

1. Belege aus PDFs und Scans erfassen. Rechnungsnummer, Datum, Beträge, Steuersätze und Lieferant aus Dokumenten ohne feste Form auslesen, auch aus schiefen Handyfotos. Das können aktuelle Modelle deutlich besser als klassische Texterkennung, weil sie verstehen, was auf dem Beleg steht, statt nur Zeichen zu lesen.

2. Kontierung vorschlagen. Auf Basis früherer Buchungen desselben Lieferanten und des Rechnungsinhalts einen Vorschlag für Konto und Kostenstelle machen, mit Begründung. Die Entscheidung trifft die Buchhaltung, aber sie muss nicht mehr bei null anfangen.

3. Rechnungen gegen Bestellung und Lieferschein prüfen. Stimmen Menge, Preis und Konditionen? Abweichungen werden markiert, bevor jemand freigibt. Bei Lieferanten mit vielen Positionen spart das die meiste Zeit.

4. Zahlungseingänge zuordnen. Wenn ein Kunde drei Rechnungen mit einer Überweisung und einem kryptischen Verwendungszweck bezahlt, erkennt ein Modell oft, welche gemeint sind, und schlägt die Zuordnung vor.

5. Mahnungen und Rückfragen formulieren. Eine Zahlungserinnerung, die zur Kundenbeziehung passt: freundlich beim Stammkunden, der einmal vergessen hat, bestimmt beim dritten Verzug. Genauso die Rückfrage an einen Lieferanten, weil eine Rechnung nicht zur Bestellung passt.

6. Zahlen in Worte fassen. Aus der monatlichen Auswertung eine halbe Seite für die Geschäftsführung: Was hat sich verändert, was ist auffällig, wo lohnt ein Blick? Die Zahlen kommen aus dem System, die KI schreibt nur den Text dazu.

Wo KI in der Buchhaltung nichts zu suchen hat

Drei Grenzen gelten unabhängig davon, wie gut die Werkzeuge werden.

  • Keine Buchung ohne Freigabe. Die KI schlägt vor, ein Mensch bucht. Wie du so eine Freigabestufe festlegst, steht in Befugnisse: Was ein KI-Mitarbeiter darf.
  • Keine steuerlichen Einschätzungen. Ob etwas abzugsfähig ist, welcher Steuersatz bei einem Sonderfall gilt, wie ein Vorgang steuerlich zu behandeln ist: Das bleibt bei euch und eurer Steuerberatung. Ein Modell formuliert auch eine falsche Einschätzung überzeugend.
  • Keine Veränderung von Originalen. Die KI liest sie, sie überschreibt oder ersetzt sie nicht.

So fängst du an

  1. Den Eingang bündeln. Alle Rechnungen kommen an eine Adresse, nicht an zwölf persönliche Postfächer. Ohne diesen Schritt hat keine Automatisierung eine Chance.
  2. Strukturierte E-Rechnungen regelbasiert verarbeiten. Das ist kein KI-Projekt, sondern eine Einstellung im Buchhaltungsprogramm oder ein kleiner Ablauf in einem Automatisierungswerkzeug.
  3. KI für den Rest. PDFs und Scans auslesen, Kontierung vorschlagen, Abweichungen markieren. Das Ergebnis landet als Vorschlag in eurem Programm oder in einer Prüfliste.
  4. Eine Person prüft und gibt frei. Anfangs jeden Vorschlag, später Stichproben bei den Lieferanten, bei denen es seit Wochen keine Abweichung mehr gab.
  5. Protokoll. Was wurde vorgeschlagen, was wurde geändert, wer hat freigegeben. Das braucht ihr, um den Ablauf zu verbessern.

Rechne mit einer Probephase von vier bis sechs Wochen, in der beides parallel läuft. Wie so ein Parallelbetrieb aufgebaut ist, beschreibt Die Probezeit.

Was es bringt

Seriös lässt sich der Nutzen nur an euren eigenen Zahlen messen: Wie viele Belege pro Monat, wie lange dauert einer heute von Eingang bis Buchung, wie viele Rückfragen gibt es? Miss das eine Woche lang, bevor du anfängst. Bei Betrieben mit mehreren hundert Eingangsrechnungen im Monat liegt der größte Gewinn fast immer bei der Erfassung und beim Abgleich, nicht beim Buchen selbst. Wie du den Vorher-Nachher-Vergleich sauber aufsetzt, steht in Woran du erkennst, ob die KI etwas gebracht hat.

Häufige Fragen

Ersetzt KI die Buchhaltung?

Nein. Sie nimmt der Buchhaltung Erfassung, Abgleich und Formulierungsarbeit ab. Die Verantwortung für richtige Buchungen, die Kontrolle von Auffälligkeiten und die Abstimmung mit der Steuerberatung bleiben bei Menschen, und genau dafür ist nach der Entlastung mehr Zeit.

Fazit

KI hilft in der Buchhaltung beim Erfassen von PDFs und Scans, beim Kontierungsvorschlag, beim Abgleich mit Bestellung und Lieferschein, beim Zuordnen von Zahlungen und beim Formulieren von Mahnungen. Strukturierte E-Rechnungen brauchen keine KI, sondern eine Regel. Gebucht wird nur nach Freigabe, Originale bleiben unangetastet, und jeder automatisierte Schritt wird protokolliert. Wenn du den Rechnungseingang bei euch automatisieren willst, baue ich das mit dir im Rahmen der KI-Automatisierung. Wo bei euch der größte Hebel liegt, zeigt vorher der KI-Potenzial-Check.

Alles Wichtige zum Thema auf einer Seite: Ratgeber Prozessautomatisierung →

Über den Autor

Dennis Drzosga

KI-Systeme, Automatisierung und Prozessoptimierung für den Mittelstand in Aalen, dem Ostalbkreis und ganz Ostwürttemberg. Mehr über mich →

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