Automatisierungen

Meeting-Protokolle, die tatsächlich jemand liest

Meeting-Protokolle, die tatsächlich jemand liest

Protokolle sind der Ort, an dem Automatisierung besonders schnell enttäuscht. Nicht weil die Technik schlecht wäre, sondern weil die meisten das falsche Ergebnis anstreben.

Die üblichen Werkzeuge liefern eine Zusammenfassung des Gesagten. Was ein Betrieb braucht, ist etwas anderes: eine Liste dessen, was jetzt gilt. Das sind zwei verschiedene Dokumente, und nur das zweite liest jemand.

Wortprotokoll gegen Ergebnisprotokoll

Ein Wortprotokoll bildet den Verlauf ab: Wer hat was gesagt, in welcher Reihenfolge. Es ist vollständig, lang und nach zwei Tagen tot, weil niemand vierzig Absätze noch einmal liest.

Ein Ergebnisprotokoll bildet ab, was sich geändert hat. Es besteht im Kern aus drei Dingen:

  • Entscheidungen. Was wurde festgelegt, und was gilt jetzt statt vorher.
  • Aufgaben. Wer, was, bis wann. Alle drei Angaben, sonst ist es keine Aufgabe, sondern eine Idee.
  • Offene Punkte. Was bewusst nicht entschieden wurde und wann es drankommt.

Alles andere ist Kontext und darf kurz sein. Wenn ein Protokoll auf eine halbe Seite passt, hat jemand verstanden, worum es ging.

Warum die Aufgabenzeile über alles entscheidet

Der häufigste Mangel in automatisch erzeugten Protokollen ist nicht Ungenauigkeit, sondern Unverbindlichkeit. Da steht dann: „Es wurde besprochen, dass die Preisliste aktualisiert werden sollte."

Daraus wird nichts. Niemand fühlt sich angesprochen, es gibt keinen Termin, und beim nächsten Mal wird es wieder besprochen.

Brauchbar ist: „Meier aktualisiert die Preisliste bis 30.09." Wenn im Gespräch nicht klar wurde, wer oder bis wann, dann gehört genau das als Lücke markiert und nicht ergänzt. Ein Modell, das den Namen errät, produziert Ärger. Eines, das eine offene Stelle sichtbar macht, erzeugt eine Nachfrage, und die ist das richtige Ergebnis.

Wie ich das aufsetze

1. Aufnahme oder Mitschrift. Eine Aufnahme ist besser, hat aber eine Bedingung, siehe unten. Ohne Aufnahme reichen Stichpunkte von jemandem, der mitschreibt. Aus Stichpunkten wird ein brauchbares Protokoll, aus dem Gedächtnis nicht.

2. Ein Format, immer dasselbe. Entscheidungen, Aufgaben, offene Punkte, in dieser Reihenfolge. Ein festes Format ist der halbe Nutzen, weil jeder weiß, wo er nachsieht.

3. Zwei Fassungen, wenn Kunden dabei sind. Eine interne mit allem und eine für den Kunden, in der nur steht, was ihn betrifft. Das ist eine der Stellen, an denen sich der Aufwand sofort auszahlt, weil die Kundenfassung sonst gar nicht erst geschrieben wird.

4. Der Abgleich zum letzten Mal. Der Schritt, den fast niemand macht und der am meisten bringt: Was war beim letzten Termin offen, und was ist daraus geworden? Damit verschwindet keine Zusage mehr still, und das ist der eigentliche Zweck von Protokollen.

5. Freigabe durch einen Menschen. Das Protokoll geht als Entwurf an den, der die Besprechung geleitet hat. Zwei Minuten Durchsehen, dann raus. Ungeprüft verschickt wird nichts.

Die Bedingung, die vor allem anderen kommt

Aufgenommen wird nur, wenn alle Beteiligten einverstanden sind, und zwar unabhängig davon, wie praktisch das Werkzeug ist.

Praktisch heißt das: am Anfang fragen, die Antwort akzeptieren, und einen Weg ohne Aufnahme bereithalten. Wer nicht aufgenommen werden will, hat dafür meistens einen Grund, und der überwiegt den Komfortgewinn.

Dazu die üblichen Punkte: geschäftlicher Zugang, geklärter Speicherort und eine feste Regel, wann die Aufnahmen gelöscht werden.

Wo es sich nicht lohnt

Bei kurzen Abstimmungen zu zweit. Wer zehn Minuten spricht und danach zwei Sätze notiert, braucht keinen Ablauf dafür.

Bei Terminen, in denen ohnehin nichts entschieden wird. Ein Protokoll macht eine Besprechung ohne Ergebnis nicht besser, es macht nur sichtbar, dass sie keines hatte. Was in dem Fall hilft, ist die Besprechung zu streichen.

Und bei sehr vertraulichen Runden. Personalgespräche, Gesellschafterthemen, alles mit Konfliktpotenzial. Dort ist der Nutzen klein und das Risiko groß.

Was es realistisch bringt

Rechne es an deinem Kalender nach. Ein Protokoll ordentlich zu schreiben kostet 20 bis 30 Minuten. Bei drei protokollpflichtigen Terminen pro Woche und 45 Wochen sind das rund 67 Stunden im Jahr.

Der größere Posten ist aber der unsichtbare: die Zusagen, die niemand aufgeschrieben hat und die beim nächsten Termin neu verhandelt werden. Diese Zahl kennt niemand, und sie ist in den meisten Betrieben größer als die erste.

Fazit

Ziel ist kein Wortprotokoll, sondern ein Ergebnisprotokoll: Entscheidungen, Aufgaben mit Name und Datum, offene Punkte. Fehlende Angaben werden markiert und nicht erraten, und der Abgleich zum letzten Termin ist der Teil mit der größten Wirkung.

Vor allem anderen steht das Einverständnis aller Beteiligten zur Aufzeichnung. Ohne das gibt es kein Projekt, sondern ein Problem.

Wenn du wissen willst, ob sich das bei euch rechnet, rechne den KI-Potenzial-Check durch oder sprich mit mir in einer KI-Beratung.

Über den Autor

Dennis Drzosga

KI-Systeme, Automatisierung und Prozessoptimierung für den Mittelstand in Aalen, dem Ostalbkreis und ganz Ostwürttemberg. Mehr über mich →

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