Softwareentwicklung

Claude-Code-Befehle: Die 12 Handgriffe, die im Alltag zählen

Claude-Code-Befehle: Die 12 Handgriffe, die im Alltag zählen

Claude Code wird über die Kommandozeile bedient, und wer damit anfängt, steht erst einmal vor einer leeren Eingabezeile. Die gute Nachricht: Man braucht keine Befehlsliste im Kopf, sondern etwa ein Dutzend Handgriffe. Der Rest ergibt sich.

Dieser Artikel zeigt die Befehle, die im Alltag wirklich zählen — mit dem Stand vom 4. September 2026. Diese Datumsangabe ist kein Zierrat: Anthropic ändert die Befehle laufend, und ein Ratgeber ohne Stand ist nach ein paar Wochen ein Ratgeber für gestern.

Wie die Befehle organisiert sind

Die offizielle Referenz listet aktuell 111 Einträge in einer einzigen Tabelle. Das klingt nach viel, ist aber weniger dramatisch, als es aussieht, denn die Liste enthält dreierlei:

  • Eingebaute Befehle — ihre Logik steckt fest im Programm. Das ist die Mehrheit.
  • Mitgelieferte Skills, in der Tabelle mit „Skill“ gekennzeichnet. Derzeit 15 Stück, darunter /code-review, /debug, /design, /doctor, /loop, /simplify und /verify. Sie funktionieren wie selbst geschriebene Skills, sind also im Kern Anweisungstexte statt Programmcode.
  • Ein mitgelieferter Workflow: /deep-research.

Nicht jeder Befehl ist für jeden sichtbar — die Verfügbarkeit hängt von Plattform, Tarif und Umgebung ab. Wer einen Befehl vermisst, hat also nicht zwingend etwas falsch gemacht.

Die zwölf Befehle, die den Alltag ausmachen

Kontext im Griff behalten

Das ist die Kategorie, die den größten Unterschied macht — und die Einsteiger am häufigsten übersehen. Claude Code arbeitet mit einem begrenzten Arbeitsgedächtnis. Wer es volllaufen lässt, bekommt schlechtere Antworten.

  • /clear — startet eine neue Unterhaltung mit leerem Kontext. Der wichtigste Befehl überhaupt. Neue Aufgabe? Erst /clear. Es gibt ihn auch als /reset und /new.
  • /compact — fasst das bisherige Gespräch zusammen und macht dadurch Platz. Du kannst eine Richtung mitgeben, worauf die Zusammenfassung achten soll. Sinnvoll, wenn du mitten in einer langen Aufgabe steckst und nicht von vorn anfangen willst.
  • /context — zeigt die aktuelle Kontextauslastung als farbiges Raster, samt Hinweisen, was gerade Platz frisst. Wenn Antworten schlechter werden, schaust du hier zuerst.

Das Projekt einrichten

  • /init — legt eine CLAUDE.md im Projekt an. Das ist die Datei, in der steht, wie in diesem Projekt gearbeitet wird: Sprache, Konventionen, verbotene Abkürzungen, Testbefehle. Der mit Abstand größte Hebel für gleichbleibende Qualität.
  • /memory — öffnet diese Dateien zum Bearbeiten und verwaltet, was sich Claude Code dauerhaft merkt.
  • /skills — zeigt und verwaltet Skills, also wiederverwendbare Arbeitsanweisungen für wiederkehrende Aufgaben.

Steuern, wie gearbeitet wird

  • /model — wechselt das Modell und merkt sich die Wahl für neue Sitzungen. Ohne Argument öffnet sich eine Auswahlliste.
  • /effort — legt fest, wie gründlich gearbeitet wird, von niedrig bis maximal, oder automatisch. Für eine Tippfehlerkorrektur braucht es keine Tiefenanalyse; für eine kniffelige Fehlersuche schon.
  • /plan — erst denken, dann tun. Claude Code entwirft einen Plan und wartet auf deine Freigabe, bevor es Dateien anfasst. Bei allem, was mehr als eine Datei betrifft, ist das die sichere Reihenfolge.
  • /permissions — regelt, was ohne Rückfrage passieren darf und was nicht.

Zurück und drüberschauen

  • /rewind — zurück zu einem früheren Stand der Sitzung. Die Notbremse, wenn ein Versuch in die falsche Richtung läuft.
  • /resume — nimmt eine frühere Unterhaltung wieder auf. Praktisch, wenn du eine Aufgabe über mehrere Tage bearbeitest.
  • /code-review — prüft Änderungen. Dazu gleich mehr, denn hier hat sich etwas geändert.
  • /usage — zeigt den Verbrauch. Gut zu wissen, bevor das Kontingent überrascht.

Eine Änderung, die viele Anleitungen veraltet macht

Seit Version 2.1.223 ist /review nur noch ein anderer Name für /code-review. Geändert hat sich dabei nicht der Funktionsumfang, sondern die Voreinstellung: Ohne Argument prüft der Befehl jetzt die lokalen Änderungen — die Commits deines Zweigs plus alles, was noch nicht committet ist.

Ein Pull Request lässt sich weiterhin prüfen, man muss ihn nur benennen: /review 1234. Mit einem Zusatz werden die Funde als Kommentare direkt am Pull Request gepostet oder gleich im Arbeitsverzeichnis angewendet. Außerdem nimmt der Befehl Gründlichkeitsstufen bis hin zu einem tieferen Review in der Cloud, das ein Konto bei claude.ai voraussetzt.

Wer also irgendwo liest, /review sei ein reiner Pull-Request-Befehl, liest etwas Veraltetes. Wer umgekehrt liest, der Befehl könne keine Pull Requests mehr, ebenfalls.

Bevor die Sitzung beginnt: der Aufruf im Terminal

Die Schrägstrich-Befehle gelten innerhalb einer laufenden Sitzung. Davor steht der Aufruf selbst, und auch da lohnen sich drei Varianten:

  • Einfach starten — du landest im Dialog und arbeitest wie im Chat, nur mit Zugriff auf dein Projekt.
  • Die letzte Sitzung fortsetzen, statt bei null zu beginnen. Wer abends aufhört und morgens weitermacht, spart sich das erneute Erklären.
  • Einmalig eine Aufgabe abarbeiten lassen, ohne Dialog. Das ist der Modus für wiederkehrende Abläufe, die aus einem Skript heraus starten — etwa ein nächtlicher Durchlauf, der Berichte erzeugt.

Der dritte Punkt wird oft übersehen und ist für Unternehmen der interessanteste: Damit wird aus dem interaktiven Werkzeug ein Baustein in einer Automatisierung. Wie so etwas dauerhaft auf einem eigenen Server läuft, haben wir in unserer Anleitung für den VPS-Betrieb beschrieben.

Die drei Betriebsarten — und wann welche passt

Wichtiger als jeder einzelne Befehl ist die Frage, wie viel Leine du dem Werkzeug lässt. Grob gibt es drei Stufen:

  1. Jede Aktion bestätigen. Sicher, aber zäh. Sinnvoll am Anfang, solange du ein Gefühl dafür entwickelst, was das Werkzeug vorschlägt.
  2. Erst planen, dann ausführen. Über /plan. Claude Code beschreibt den Weg, du gibst frei. Für die meiste ernsthafte Arbeit die richtige Wahl.
  3. Weitgehend selbstständig arbeiten lassen. Schnell, aber nur vertretbar, wenn zwei Bedingungen erfüllt sind: Das Projekt liegt in der Versionskontrolle, und es passiert nichts direkt auf einem Produktivsystem.

Die Betriebsart ist keine Frage von Mut, sondern von Schadensbegrenzung. Wer sauber mit Zweigen arbeitet, kann Stufe drei riskieren, weil ein Fehlversuch nichts kostet außer Zeit. Wer ohne Netz arbeitet, sollte bei Stufe eins oder zwei bleiben.

Was viel wichtiger ist als die Befehlsliste

Ehrlich gesagt: Die Befehle sind der kleinere Teil. Drei Gewohnheiten entscheiden mehr über das Ergebnis als jede Abkürzung.

Erstens: eine gepflegte CLAUDE.md. Alles, was du sonst in jedem zweiten Prompt wiederholst, gehört einmalig dorthin. Das spart nicht nur Tipparbeit, es macht die Ergebnisse gleichmäßiger.

Zweitens: häufig aufräumen. Eine neue Aufgabe verdient einen frischen Kontext. Wer eine Sitzung stundenlang mitschleppt, arbeitet gegen das Werkzeug.

Drittens: Versionskontrolle. Ein Agent, der fünfzehn Dateien anfasst, braucht eine Rückfahrkarte. Warum Git im KI-Zeitalter zur Pflicht wird, haben wir separat beschrieben — es ist die wichtigste Absicherung überhaupt.

Häufige Fragen zu Claude-Code-Befehlen

Muss ich mir alle Befehle merken?

Nein. Ein Schrägstrich in der Eingabezeile öffnet die Liste mit Suchfunktion. Und für fast alles gilt: Du kannst es auch in normalem Deutsch sagen. Die Befehle sind Abkürzungen, keine Voraussetzung.

Was ist der Unterschied zwischen einem Befehl und einem Skill?

Ein eingebauter Befehl ist fest programmiert. Ein Skill ist im Kern eine Anweisungsdatei — Anthropic liefert 15 davon mit, und du kannst eigene schreiben. Für wiederkehrende Abläufe im Unternehmen ist das der interessantere Weg, weil du damit eure eigene Arbeitsweise abbildest.

Brauche ich Programmierkenntnisse?

Für den Einstieg weniger, als man denkt — die Bedienung läuft über normale Sprache. Für den produktiven Einsatz schon: Du musst beurteilen können, ob das Ergebnis stimmt. Ein Werkzeug, das schneller Code schreibt, als du ihn prüfen kannst, verlagert das Problem nur.

Warum sehe ich einen Befehl nicht, der in Anleitungen vorkommt?

Die Verfügbarkeit hängt von Plattform, Tarif und Umgebung ab — und Befehle werden umbenannt oder entfernt. Die offizielle Referenz ist die einzige verlässliche Quelle; jeder Blogartikel, auch dieser, ist eine Momentaufnahme.

Fazit: Zwölf Handgriffe genügen

Von 111 Einträgen brauchst du im Alltag etwa ein Dutzend. Wenn du dir nur drei merken willst: /clear für den frischen Start, /init für die Projektregeln, /plan für alles, was größer ist als eine Kleinigkeit.

Und weil sich die Liste ständig ändert: Prüf im Zweifel die offizielle Referenz, statt einer Anleitung zu vertrauen — auch dieser hier. Wenn du überlegst, wie dein Team KI-Werkzeuge sinnvoll und abgesichert in die Entwicklung bringt, schauen wir uns das in einer kostenlosen Prozessanalyse gemeinsam an.

Über den Autor

Dennis Drzosga

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